Versilbertes Besteck: kein Sterling, aber manchmal trotzdem wertvoll.
90er, 100er, 120er, versilbertes Besteck hat keinen Schmelz-Wert. Aber Designer-Stücke aus Bauhaus, Art déco und Jugendstil erzielen oft Sammler-Aufschläge. Marcel Querl prüft jedes Stück persönlich.
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Was versilbert wirklich bedeutet.
Versilbertes Besteck besteht aus einem Trägermetall: meist Neusilber, Alpacca oder eine ähnliche Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, auf das im galvanischen Verfahren eine dünne Schicht Feinsilber aufgebracht wird. Der Silberanteil am Gesamtgewicht liegt typischerweise bei 1–3 %. Im Schmelztiegel hat das Stück deshalb keinen relevanten Materialwert.
Die Stärke der Auflage wird klassisch in Gramm Silber pro 24 Gefährten (das traditionelle „Auflagemaß“) angegeben, daher die Zahlen 90, 100, 120, 150 auf den Stücken. Eine 90er-Auflage bedeutet: auf zwölf Esslöffeln und zwölf Essgabeln liegen zusammen 90 Gramm Feinsilber. Das ist Standard für die WMF- und Krupp-Bestecke der 1960er bis 1980er Jahre. Für die Material-Verwertung als Edelmetall ist auch das zu wenig, bewertet wird hier ausschließlich der Schmuck- bzw. Sammlerwert.
- 90er, der Klassiker90 Gramm Silber-Auflage auf 24 Gefährten. WMF, Krupp, BSF, Bremer Silberwaren der 1960er-1980er. Massenware, ohne Designer-Bezug meist nur Sammler-Restwert.
- 100er und 120erHöhere Auflage, oft bei gehobeneren Linien und Geschenk-Kassetten. Etwas robuster gegen Abnutzung, optisch kaum vom 90er zu unterscheiden, Punze entscheidet.
- 150er, die Luxus-VarianteGalvanisch sehr stark versilbert, häufig bei Christofle, älteren Robbe & Berking-Bestecken und Hotel-Garnituren. Auch ohne Designer-Bezug oft mit Aufschlag.
- EPNS, Alpacca, ArgentanEnglische und deutsche Schreibweisen für „Electro-Plated Nickel Silver“ bzw. Neusilber. „AS“ steht für „Alpacca-Silber“, irreführender Begriff, denn enthalten ist kein einziges Gramm Silber im Trägermetall.
- Punzen-StelleMeist auf der Rückseite des Laffenstiels (Löffel) oder am Griffende. Hersteller-Logo (WMF-Strauß, Krupp-Ringe, Christofle-Stempel) plus Auflagezahl plus oft Modellnummer.
Wann versilbertes Besteck trotzdem Wert hat.
Der Sammlermarkt für versilbertes Besteck ist klein, aber bemerkenswert stabil, und er bezahlt für Entwurf, nicht für Gewicht. Ein Bauhaus-Set von Christofle, ein Jugendstil-Service von Bruno Paul oder ein Schiffsbesteck aus den 1930ern erzielt bei spezialisierten Auktionshäusern und Sammlern regelmäßig vier- bis fünfstellige Beträge, Beträge, die mit dem Schmelzwert nichts zu tun haben.
Marcel Querl prüft jedes Stück persönlich auf Designer-Punzen, Modellbezeichnung und Vollständigkeit. Stücke ohne Sammlerbezug werden ehrlich als solche benannt, Stücke mit Sammlerbezug bekommen den passenden Marktpreis statt eines Schmelz-Pauschalpreises.
- Designer-ManufakturenBruno Paul für WMF, Henry van de Velde, Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens, die Entwurfs-Persönlichkeiten der Jugendstil- und frühen Moderne-Phase. Ihre Signatur am Stiel oder Kasten verändert den Preis grundlegend.
- Bauhaus-DesignChristofle „Vendôme“ und „Marly“, WMF Bauhaus-Linie, Wilkens-Entwürfe der 1920er-1930er. Reduzierte, geometrische Formensprache, heute begehrt bei Architektur- und Design-Sammlern.
- Art-déco-SätzeGeometrische Stielführung, oft mit Bakelit-, Galalith- oder Elfenbein-Imitat-Griffen. WMF, Berndorf, französische Manufakturen. Vollständige 12er-Sätze in Original-Holzkasten besonders gefragt.
- Komplette Original-Sätze12er- oder 24er-Garnitur mit allen Vorlegeteilen, Original-Kasten, Hersteller-Etikett und Modellbezeichnung, der Vollständigkeits-Aufschlag gegenüber Einzelteilen liegt häufig bei Faktor 3 bis 5.
- Provenienz Schiff und HotelHapag- und Norddeutscher-Lloyd-Bestecke, Bestecke alter Grandhotels (Adlon, Atlantic, Bayerischer Hof), Speisewagen-Garnituren mit Eigentums-Gravur. Provenienz ist hier der eigentliche Wert-Träger.
Was bei versilbertem Besteck nicht funktioniert.
Der weit überwiegende Teil des versilberten Bestecks, das heute in deutschen Schubladen liegt, ist 90er-Standardware aus den 1960er-1980er Jahren ohne Designer-Bezug. Optisch ansprechend, sentimental wertvoll, aber wirtschaftlich nahezu wertlos. Wer Ihnen für so ein Set 200 € pauschal verspricht, ohne die Punzen geprüft zu haben, hat entweder einen sehr seltenen Treffer oder ein anderes Geschäftsmodell.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Besteck Sterling oder versilbert ist: die Punzen-Übersicht auf unserer Sparten-Seite Silber bei Kronjuwelier zeigt die wichtigsten Erkennungs-Merkmale. Sterling-Besteck trägt typischerweise „925″ oder „800″ als Feingehalts-Punze, versilbertes Besteck zeigt stattdessen „90″, „100″, „120″, „EPNS“ oder „Alpacca“.
- 90er Standardware ohne Designer-BezugKlassische WMF- und Krupp-Bestecke der 1970er ohne besondere Modellbezeichnung. Im Schrott-Markt unter 1 € pro Set, im Sammlermarkt selten Interesse, der typische „Großmutter-Besteckkasten“ gehört meist in diese Kategorie.
- Unvollständige SätzeVier Esslöffel, drei Gabeln, ein einzelnes Vorlegemesser, Sammler kaufen fast ausschließlich komplette 6er-, 12er- oder 24er-Garnituren. Einzelteile finden nur in Ergänzungs-Käufen ihren Markt und auch dann nur bei begehrten Modellen.
- Durchgegriffene SilberauflageWenn am Laffenrand oder Gabel-Zinkengrund schon der Kupfer-Ton des Trägermetalls durchschimmert, ist die Galvanik aufgebraucht. Eine Nachversilberung ist technisch möglich, aber teuer, und macht aus einem Standardstück trotzdem keinen Sammlerwert.
- „90 EPNS“ der 2000erPseudo-Antik-Stücke aus indischer oder fernöstlicher Produktion, oft mit englisch klingenden Phantasie-Punzen. Massenware ohne historischen oder gestalterischen Bezug, der Sammlermarkt erkennt das auf den ersten Blick.
- Ohne Originalkasten und EtikettAuch bei guten Designer-Sätzen sinkt der Preis spürbar, wenn der originale Holzkasten mit Hersteller-Etikett, Modellbezeichnung und Bestellnummer fehlt. Provenienz-Belege sind hier wirtschaftlich oft wichtiger als ein einzelnes Stück.
Was Verkäufer zu versilbertem Besteck am häufigsten fragen.
Hat versilbertes Besteck überhaupt einen Materialwert?
Nein, nicht im Sinne eines Schmelz- oder Edelmetallwerts. Der Silberanteil liegt bei 1–3 % des Gesamtgewichts und ist galvanisch aufgebracht, eine Rückgewinnung ist technisch aufwendig und wirtschaftlich nicht darstellbar. Bewertet wird ausschließlich der Sammler- oder Schmuckwert: Designer-Linie, Vollständigkeit, Provenienz.
Was ist Neusilber: und ist das überhaupt Silber?
Neusilber ist eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung ganz ohne Silberanteil. Der Name ist historisch irreführend: er stammt aus dem 19. Jahrhundert, als die silbrig-weiße Optik der Legierung als „neues Silber“ beworben wurde. Synonyme sind Alpacca, Argentan und das englische „German Silver“, alle bezeichnen denselben Werkstoff, der heute meist als Trägermetall für die Versilberung dient.
Woran erkenne ich, ob mein Besteck versilbert oder Sterling ist?
An der Punze. Sterling-Besteck trägt „925″ (Sterlingsilber) oder „800″ (deutsches Silber) zusammen mit Halbmond und Reichskrone. Versilbertes Besteck zeigt stattdessen „90″, „100″, „120″, „150″ oder Abkürzungen wie „EPNS“, „Alpacca“, „AS“, „Argentan“. Im Zweifel: Foto der Punzen-Stelle (meist Rückseite des Laffenstiels) per E-Mail senden, wir ordnen es zuverlässig zu.
Was sind die Zahlen 90, 100, 120 auf meinem Besteck?
Die Auflage-Stärke in Gramm Feinsilber pro 24 Gefährten (12 Esslöffel + 12 Essgabeln). 90er ist Standard bei deutscher Massenware der 1960er-1980er, 100er und 120er bei gehobeneren Linien, 150er bei Luxus-Manufakturen wie Christofle. Die Zahl sagt etwas über Robustheit und ursprünglichen Anschaffungspreis, ist aber kein Garant für Sammlerwert, der hängt am Entwurf.
Lohnt sich der Verkauf an Sammler überhaupt?
Bei Designer-Stücken: ja, deutlich. Ein vollständiger Bauhaus- oder Art-déco-Satz in Originalkasten kann je nach Modell und Zustand drei- bis fünfstellig erzielen. Bei Standard-90er-Massenware der 1970er ohne Designer-Bezug: meistens nicht. Wir prüfen jedes Stück ehrlich, und sagen Ihnen direkt, ob ein Sammler-Aufschlag realistisch ist oder nicht.
Ist Alpacca dasselbe wie Silber?
Nein. Alpacca ist ein Markenname für eine bestimmte Neusilber-Legierung (Kupfer, Nickel, Zink), ohne jeden Silberanteil. Die Bezeichnung „Alpacca-Silber“ oder „AS“ auf dem Besteck bedeutet lediglich, dass die Alpacca-Grundform versilbert wurde. Das eigentliche Silber sitzt nur in der dünnen Galvanik-Schicht, das Trägermetall ist edelmetallfrei.
Weiterführend zum Silber-Thema.
Drei Perspektiven für den Silber-Verkauf, die Sparten-Übersicht, das Sterling-Besteck und der allgemeine Silberankauf.
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Sterling, versilbert, Münzen, Barren, Antiksilber. Die zentrale Sparten-Seite mit allen Silber-Themen bei Kronjuwelier.
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Für Sterling-Besteck mit 800er- oder 925er-Punze, bewertet nach Materialwert plus Schmuck- und Manufaktur-Aufschlag.
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Vom einzelnen Sterling-Stück bis zum kompletten Antiksilber-Bestand. Tagespreis-Bezug, transparente Marge, schriftlicher Beleg.
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Unser Ladengeschäft in Essen-Bredeney ist zum 30.04.2026 geschlossen. Die Neueröffnung in Mülheim an der Ruhr ist für Ende 2026 vorgesehen. Wichtig: Im ehemaligen Ladenlokal Bredeney sind heute andere Ankäufer ansässig, die nicht in Verbindung zu Kronjuwelier stehen.
Bewertungen erfolgen in dieser Phase per Foto-Upload und nach Terminvereinbarung. Festnetz: 0201 89074033 · Mobil: 0176 60926047 · info@kronjuwelier.de