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Roh-Rubin und fünf geschliffene Rubine in Brillant-, Cushion-, Asscher-, Pear- und Marquise-Schliff auf dunkelblauem Samt
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Rubin — König der Edelsteine

Kein anderer Stein vereint Geschichte, Symbolik und reinen Marktwert so kompromisslos wie der Rubin. Tiefrot, hart, selten — und in den feinsten Qualitäten teurer als ein vergleichbarer Diamant.

Auf Sanskrit hieß er ratnaraj — König der Steine.

Ein Rubin ist mineralogisch dasselbe wie ein Saphir: Korund, kristallines Aluminiumoxid (Al2O3) mit der Härte 9 nach Mohs — nur vom Diamanten übertroffen. Was ihn zum Rubin macht, ist ein winziger Anteil Chrom, der in das Kristallgitter eingelagert wird und das tiefe Rot erzeugt, das wir kennen. Kein Eisen, kein Mangan: nur Chrom. Diese chemische Schmalheit erklärt, warum große, klare Rubine zu den seltensten Edelsteinen der Welt gehören.

Während der Diamant durch industrielle Förderung in den vergangenen 150 Jahren zur Massenware wurde, ist der Rubin seinem Status als Rarität treu geblieben. Ein unbehandelter Rubin von zehn Karat in feinster Farbe ist seltener als das gleiche Karatgewicht in lupenreinen Brillanten der Spitzenklasse — und wird auf Auktionen entsprechend gehandelt.

Mineral
KorundAl2O3
Härte
9Mohs
Dichte
4,00g/cm³
Kristall
trigonalSystem
Farbgeber
ChromCr3+
Brechung
1,76–1,77doppelbrechend
Geschichte

Drei Jahrtausende roter Macht.

Der Rubin ist einer der ältesten dokumentierten Edelsteine. Funde aus dem heutigen Myanmar belegen Abbau im Mogok-Tal seit mindestens 2.500 Jahren; chinesische Karawanenrouten transportierten burmesische Rubine schon zur Zeit der Han-Dynastie nach Osten. In Indien gehörte der Rubin neben Diamant, Perle, Korall, Hyazinth, Saphir, Topas und Katzenauge zu den Navaratna, den neun heiligen Steinen.

Im europäischen Mittelalter war der Rubin der Stein der Könige. Er sollte vor Vergiftung schützen, Mut verleihen und Wunden heilen. Der berühmte Black Prince’s Ruby, der heute zentral in der britischen Imperial State Crown sitzt, ist tatsächlich gar kein Rubin, sondern ein Spinell — die Unterscheidung war vor der modernen Mineralogie schlicht nicht bekannt. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Spinell als eigenes Mineral identifiziert. Bis heute trägt die Krone den Namen, auch wenn der Stein streng genommen falsch benannt ist.

Der Sprung in die Moderne

1837 gelang dem französischen Chemiker Marc Antoine Gaudin die erste synthetische Herstellung von Korund. 1902 folgte mit dem Verneuil-Verfahren die erste industriell brauchbare Rubin-Synthese — und damit eine Zäsur im Schmuckhandel. Seitdem ist die Unterscheidung natürlich/synthetisch zentral für jede seriöse Bewertung. Ein gut gemachter Verneuil-Rubin sieht für das ungeschulte Auge identisch aus wie ein natürlicher Burmese, kostet aber einen Bruchteil.

Herkunft

Wo Rubine entstehen.

Rubinvorkommen sind weltweit selten. Die Herkunft eines Steins ist nicht nur geologisch interessant — sie ist eines der härtesten preisbestimmenden Merkmale am Markt. Ein zertifiziert burmesischer Stein erzielt regelmäßig den doppelten bis vierfachen Preis eines optisch identischen Rubins aus Mosambik oder Madagaskar.

Myanmar

Mogok-Tal

Seit 2.500 Jahren

Das legendäre Tal in Oberburma. Marmor-Wirtsgestein, kaum Eisen — daher die berühmte rote Fluoreszenz unter UV-Licht. Quelle der „Pigeon-Blood“-Steine.

Myanmar

Mong Hsu

Entdeckt 1992

Shan-Staat. Steine meist kleiner, oft mit blauem Kern, der durch Hitzebehandlung entfernt wird. Versorgt den Großteil des heutigen Burma-Volumens.

Mosambik

Montepuez

Seit 2009

Größter aktiver Rubinabbau der Welt. Steine in Spitzenqualität optisch sehr nah am Burmesen — aber ohne dessen Herkunfts-Aufschlag am Markt.

Thailand

Chanthaburi / Trat

15. Jh. bis ca. 1990

Lange Zeit Welthandelszentrum für Rubine. Die einheimischen Vorkommen sind heute weitgehend erschöpft, der Schleif- und Handelsplatz besteht weiter.

Madagaskar

Andilamena, Vatomandry

Seit 1990er

Variable Qualitäten, oft mit dunkleren Rottönen. Die besten Andilamena-Steine erreichen Mogok-Niveau, sind aber selten zertifiziert.

Weitere

Tansania, Vietnam, Afghanistan

Kleinere Vorkommen

Winza (Tansania) lieferte ab 2007 unbehandelte Rubine in feinster Qualität, das Vorkommen ist heute weitgehend erschöpft. Luc-Yen (Vietnam) ist Quelle pinker bis roter Korunde.

Bewertung

Was den Preis eines Rubins ausmacht.

Die vier »C« aus der Diamantbewertung — Carat, Color, Clarity, Cut — gelten beim Rubin nur eingeschränkt. Beim farbigen Edelstein ist die Farbe der mit Abstand wichtigste Faktor, gefolgt von Herkunft und Behandlung. Reinheit und Schliff spielen erst danach eine Rolle.

Farbe — das härteste Kriterium

Der ideale Rubin zeigt ein reines, gesättigtes Rot mit einem Hauch Blau — im Handel als »pigeon blood« oder »sang de pigeon« bezeichnet. Zu orange (»Burmese Pinkish«), zu dunkel (»Garnet-like«) oder zu hellrosa Steine gelten technisch oft schon als rosa Saphir statt Rubin — die Grenze ist fließend und Sache der Zertifikatslabors.

Herkunft — der Markt-Multiplikator

Ein Gübelin-, SSEF- oder GRS-Zertifikat mit der Provenienz „Burma (Myanmar)“ verdoppelt bei vergleichbarer Qualität den Marktwert nahezu automatisch. Für Spitzensteine ab fünf Karat sind dies die einzigen drei Labors, deren Aussage am Markt zählt.

Karat — nicht-linear

Anders als bei Diamanten steigt der Karatpreis bei Rubinen exponentiell. Ein Burma-Rubin mit 3 Karat kostet pro Karat das Dreifache eines vergleichbaren Einkaräters — weil Steine dieser Größe kaum existieren.

Behandlung

Hitze, Glas — und der ehrliche Stein.

Etwa 95 Prozent aller im Handel befindlichen Rubine sind behandelt. Die Behandlung ist nicht per se ein Makel — sie ist seit der Antike Teil des Handwerks. Aber sie muss deklariert sein, und sie hat sehr unterschiedliche Auswirkungen auf den Wert.

Unbehandelt
Stein im natürlichen Zustand, lediglich geschliffen und poliert. Im Spitzensegment der Burma- und Winza-Steine das absolute Premium-Merkmal. Zertifizierung durch Gübelin/SSEF/GRS unverzichtbar.
Premium +100 %
Hitzebehandlung
Erhitzen auf 1.600 °C zur Klärung von Einschlüssen und Verbesserung der Farbe. Standard seit Jahrtausenden, am Stein dauerhaft, allgemein akzeptiert.
Standard
Beryllium-Diffusion
Hitze unter Zugabe von Beryllium zur Tiefenfarbgebung. Verändert den Stein substantiell. Im Schmuckhandel umstritten, muss zwingend deklariert sein.
Wert −30 bis 50 %
Glasfüllung (lead glass)
Risse und Einschlüsse werden mit Bleiglas verfüllt, um sichtbare Brüche zu kaschieren. Optisch eindrucksvoll, technisch fragil — Glas kann durch Ultraschall, Säure oder Wärme zerstört werden.
Wert −70 bis 90 %
Synthetik
Vollständig im Labor gewachsene Korunde. Mineralogisch echtes Korund, aber kein natürlicher Stein. Klar zu deklarieren, eigener Preissegment.
Eigene Klasse

Für einen Verkäufer ist die entscheidende Frage selten „Ist mein Rubin echt?“, sondern „Wie wurde er behandelt — und ist diese Behandlung dokumentiert?“. Ein nicht deklarierter glasgefüllter Rubin wird bei jeder professionellen Bewertung sofort identifiziert; ein nicht deklarierter unbehandelter Stein dagegen lässt sich nicht „beweisen“ und verliert ohne Zertifikat Marktwert.

Berühmte Steine

Eine kurze Galerie roter Rekorde.

14. Jahrhundert

Black Prince’s Ruby

170 Karat, dunkelrot, sitzt zentral in der britischen Imperial State Crown. Seit der Identifikation 1851 bekannt als roter Spinell — der Name bleibt aus historischen Gründen.

um 1612

Timur Ruby

361 Karat, getragen von den Moguln, später Königin Victoria geschenkt. Wie der Black Prince ein roter Spinell, kein Rubin. Britische Kronjuwelen.

2015

Sunrise Ruby

25,59 Karat, Burma, unbehandelt, »pigeon blood«. Versteigert bei Sotheby’s Genf für 30,3 Mio. USD — bis heute Rekord für einen Rubin. Cartier-Setting, Diamantbegleitsteine.

2023

Estrela de Fura

55,22 Karat. Aus Mosambik, hitzebehandelt. Sotheby’s New York: 34,8 Mio. USD — neuer Rekord für irgendeinen Farbstein, und zugleich Beleg, dass Mosambik längst auf Burma-Augenhöhe handelt.

»Ein Rubin von wirklicher Farbe ist seltener als jeder Diamant der gleichen Größe.« — Tiffany & Co., Gemstone Report, 1925
Spezialthema

Der Burma-Rubin — ein eigenes Kapitel.

Wenn vom Rubin als Königsstein die Rede ist, ist meist der Burmese gemeint. Mogok — das Tal im Norden Myanmars — liefert seit 2.500 Jahren Steine, die im Markt unter dem Begriff „Pigeon Blood“ eine eigene Liga bilden. Die geologische Besonderheit (Marmor-Wirtsgestein, kaum Eisen) erzeugt eine starke rote Fluoreszenz unter Tageslicht, die kein anderes Vorkommen reproduziert.

Burma-Rubin: Mogok, Pigeon Blood, Sanktionen

Geologie, Bewertung, Marktaufschläge, Zertifikatspraxis — und warum US-Sanktionen seit 2008 den weltweiten Markt für burmesische Rubine prägen.

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Häufige Fragen

Antworten zu Rubinen.

Woran erkenne ich einen echten Rubin?

Ohne Labor: gar nicht zuverlässig. Synthetische Korunde, Glas-Imitate und Granate können optisch sehr nah an einen Rubin herankommen. Ein Refraktometer-Test (Brechungsindex 1,76–1,77, doppelbrechend) gibt zusammen mit der UV-Fluoreszenz erste Hinweise. Letzte Sicherheit liefert nur ein gemmologischer Bericht.

Ist ein Rubin mehr wert als ein Diamant?

In den Spitzenqualitäten: deutlich mehr. Ein unbehandelter Burma-Rubin in „Pigeon Blood“-Farbe erzielt pro Karat das Mehrfache eines gleichgroßen lupenreinen Diamanten. In der breiten Mitte des Marktes ist der Diamant dagegen teurer, weil hier auch durchschnittliche Steine handelbar sind — bei Rubinen verlieren Steine ohne Spitzenfarbe stark an Wert.

Was bedeutet „Pigeon Blood“?

Ursprünglich eine burmesische Händlerbezeichnung für das ideale, leicht bläulich-rote Farbniveau eines Spitzenrubins. Heute eine zertifikatsfähige Farbbeschreibung, die Gübelin, SSEF und GRS jeweils nach eigenem internem Standard vergeben. Nicht jedes Labor benutzt den Begriff identisch — bei hochwertigen Steinen ist deshalb die Wahl des Zertifikatslabors selbst preisrelevant.

Wie viel Wert verliert ein Rubin durch Behandlung?

Reine Hitzebehandlung ist Standard und Marktstandard — sie senkt den Wert kaum. Glasfüllung dagegen ist im Schmuckhandel verpönt und führt zu erheblichen Abschlägen. Beryllium-Diffusion ist umstritten und liegt dazwischen. Entscheidend ist die Deklaration: Nicht deklarierte Behandlungen entdeckt jeder Gutachter und beschädigen das Vertrauen in den gesamten Stein.

Wie sollte ein Rubin geschliffen sein?

Der klassische Schliff für Rubine ist der ovale Mischschliff (Kissen-/Ovalschliff mit Brillantfacetten in der Krone und Stufenfacetten im Pavillon). Er optimiert Farbsättigung und Lichtrückwurf. Reine Brillantschliffe wirken bei Rubinen häufig zu hell. Sehr hochwertige Steine werden eher dick geschliffen, um die Farbtiefe zu erhalten — auf Kosten von Gewicht und Brillanz.

Wie verkaufe ich einen Rubin am besten?

Im Idealfall mit Zertifikat eines anerkannten Labors. Ohne Zertifikat ist eine Vor-Ort-Bewertung durch einen erfahrenen Gemmologen die einzige Möglichkeit, einen seriösen Marktwert zu bestimmen. Schaufenster-Ankäufer mit pauschalen „Goldpreis pro Gramm“-Tarifen sind für gefasste Rubine der falsche Adressat — dort wird in aller Regel nur das Trägermetall vergütet, der Stein geht für 0 € mit.

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